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Über 12 Millionen Menschen auf der Welt zwischen 35 und 65 Jahren haben ein hohes Herzinfarktrisiko. In Deutschland bekommen mehr als 285.000 Menschen jedes Jahr einen Herzinfarkt. Dank der Fortschritte der Medizin werden zwar ihre Überlebenschancen immer besser, doch das hohe Risiko eines erneuten Herzinfarkts bleibt. Nur strikte Selbstdisziplin und wirksame Medikamente können vor einem Rückfall bewahren.

Mit einem Herzinfarkt bezeichnet man den plötzlichen Verschluss einer Herzkranzarterie. Zwei Drittel der Patienten starben an den Folgen. Nur jede fünfte Frau überlebt einen Herzinfarkt. Bei Männern ist es immerhin jeder dritte.

 

Herzinfarkt - reine Männersache?

Bis in die Mitte der 90ziger Jahre galt der Herzinfarkt als eine typische „Männerkrankheit“, deren Ursache wohl im streßgeplagten Berufsleben zu suchen war. Risikofaktoren des Bussines und Management wie Rauchen, zuviel und ständiger Alkohol und zu viele und zu gute „Arbeitsessen“ und damit eine falsche Ernährungsweise, zu vieles Sitzen am Schreibtisch und hinter dem Steuer des Autos und damit chronischer Bewegungsmangel fördern Übergewicht. Die ständige Anspannung, die sich in Überstunden und Hektik manifestiert, treibt auf Dauer den Bluthochdruck in die Höhe, und alles zusammen schließlich führt zur Arteriosklerose, den Wegbereiter des Herztodes. Und der holt sich seine männlichen Opfer in den besten Jahren so zwischen 40 und 60, in jedem Fall aber noch vor der Rente und dem wohlverdienten Ruhestand.

Seit einigen Jahren nun wandelt sich das Bild. Waren in der Vergangenheit kaum Frauen von einem Herzinfarkt betroffen, so änderte sich dies in den letzten Jahren stetig, und heute sind mehr Frauen als Männer betroffen. Und vor allem: die Zahl der jüngeren Frauen, die einen Herzanfall erleiden, steigt.

Herzensbrecher für Mann und Frau

Grundsätzlich sind es dieselben Risikofaktoren, die das Herz von Mann und Frau gefährden: Übergewicht und ein zu hoher Cholesterinspiegel, der zur Arteriosklerose führt.

Ein Prozess der meist schon in der Kindheit beginnt und entweder durch eine angeborene Fettstoffwechselstörung, die „familäre Hypercholesterinämie“ - oder durch falsche Ernährung hervorgerufen wird. Bei der vererbten Fettstoffwechselstörung gibt es zwei Formen. Bei der leichteren Form, hier ist einer von 500 Menschen betroffen, fehlt die Hälfte der Rezeptoren, ohne die die Zellen keine LDL - also das „schädliche“ Cholesterin - aufnehmen können. Hier drohen im Alter von 30 Jahren die ersten Herzinfarkte. Diese Art der „familären Hypercholesterinämie“ läßt sich mit gesunder Ernährung und cholesterinsenkenden Medikamenten meist gut beeinflussen.

Bei der schwereren Form der „familiären Hypercholesterinämie“, bei der die Rezeptoren für die LDL ganz fehlen, das kommt bei einem Menschen unter eine Million vor, hilft nur die Apherese-Technik, bei der die überschüssige LDL mit einer Art Filter aus dem Blut herausgefischt werden. Das System funktioniert ähnlich wie eine künstliche Niere, nur wird dem Patienten aus einer Armvene kontinuierlich Blut entnommen und in ein Filtersystem geleitet. Die Behandlung muß alle ein bis zwei Wochen über viele Jahre erfolgen.

Bei allen anderen aber - laut Statistik ist jeder zweite Bundesbürger übergewichtig und jeder sechste hat sogar Fettsucht - ist es eine falsche Ernährung. Es ist das ständige Zuviel von Fleisch und tierischem Fett, was schließlich zu einer Verengung der Blutgefäße durch Fett und Kalkablagerungen führt, die der Volksmund „Arterienverkalkung“ nennt. An diesen arteriosklerotischen Ablagerungen bilden sich leicht Blutgerinnsel, die mit dem Blutstrom weggeschwemmt werden. Bleibt ein solches Blutgerinsel in einem „verengten“ Herzkranzgefäß hängen, kommt es zum Herzinfakt. Geschieht dies im Gehirn, spricht man von einem Schlaganfall. Dabei sind die Dicken besonders Herzinfarkt-gefährdet. Und: Sie haben im Vergleich zu Normalgewichtigen ein zehnfach erhöhtes Risiko für eine Zuckerkrankheit, Fettsüchtige sogar ein 30 - 50faches Risiko.

Rauchen ist ebenfalls ein großer Risikofaktor. Während Nichtraucher im Durchschnitt erst mit 63 Jahren ihren ersten Herzinfarkt erleiden, liegt das Alter beim Raucher bei 53 Jahren. Und männliche Raucher über 65 Jahren haben eine doppelt so hohe Sterblichkeit im Vergleich zu Nichtrauchern. Bei Raucherinnen liegt die Gesamtsterblichkeit sogar um 80 Prozent höher. Rauchen und auch Alkohol zusammen mit Übergewicht sorgt für einen weiteren gemeinsamen Risikofaktor, den Bluthochdruck, soweit dieser nicht durch Funktionsstörungen oder durch Erkrankungen bedingt ist. Diese Form des Bluthochdrucks, für den die Ärzte keinen organischen Grund finden, wird „essentielle Hypertonie“ genannt, und hat meistens im eigenen Verhalten, - also im Rauchen, Alkohol, falscher Ernährung usw.-,  seinen Grund. Aber woher auch immer - ein ständiger zu hoher Bluthochdruck gehört in die Behandlung des Arztes. Denn: Durch Bluthochdruck in jüngeren Jahren altert das Gefäßsystem um 30 Jahre ! vor.

Wenn eine Ernährungsumstellung, das Aufgeben des Rauchens und die Reduzierung des Alkohols hier nicht hilft, wird Ihr Arzt Ihnen sagen, welches Medikament für Sie das Richtige ist.

Ein weiterer Risikofaktor ist das Fibrinogen, eine Eiweiß-Substanz, die an der Blutgerinnung beteiligt ist. Bei erhöhten Werten steigt das Herzinfarktrisiko um das Vierfache. Viele Ärzte sehen deshalb in Fibrinogen einen unabhängigen Risikofaktor, dem genauso viel Bedeutung zu kommt wie Cholesterin.

Auf der Suche nach weiteren Risikofaktoren wurde Ende der 80er Jahre erstmals das Homocystein, das beim Eiweißstoffwechsel natürlicherweise gebildet wird, im Zusammenhang mit einer seltenen Krankheit der Homocysteinurie entdeckt: Hierbei kommt es zu  einer zu starken Anhäufung des Homocysteins im Blut. Es zeigt sich bereits in jungen Jahren eine ausgeprägte Adernverkalkung. Während die Homocysteinurie, also die Krankheit, die mit ernorm erhöhten Homocysteinwerten einhergeht, sehr selten vorkommt, sind mäßig erhöhte Werte weiter verbreitet als ursprünglich vermutet wurde. So fand man z.B. bei 163 Patienten mit Angina pectoris (Schmerzen in der Herzgegend) bei 41,1 Prozent erhöhte Homocysteinwerte. Das Fazit der Studie lautet: Homocystein beeinflußt die Herzkranzgefäße entscheidender als das Cholesterin. Kommt beides zusammen, also ein erhöhter Cholesterin- und Homocysteinspiegel, so entsteht ein gefährliches Duo. Um die Homocysteinwerte in den Griff zu bekommen - so haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen ergeben -, ist die Zufuhr von B-Vitamine Folsäure, B6 und B 12 wichtig. Sie sind Bestandteile von Enzymen, die für den Abbau von Homocystein sorgen. Ein Mangel an diesen Vitaminen führt zwangsläufig zu einem verminderten Abbau und somit zu erhöhten Blutspiegeln.

Und dann gibt es als Risikofaktor noch den Bewegungsmagel, unter dem auch beide Geschlechter leiden und schließlich Diabetes mellitus. Hier aber bekommen Diabetikerinnen 6,2 mal mehr einen Herzinfarkt als Nichtdiabetikerinnen.

Aber wenn auch die Risikofaktoren bei Mann und Frau gleich sind, so gibt es doch noch andere Unterschiede.

Frauen bekommen vor den Wechseljahren also im allgemein bis zum 55. Lebensjahr seltener einen Herzinfarkt oder eine Arteriosklerose. Eine eindeutige Erklärung der Wissenschaft gibt es bis heute noch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass es noch zu wenig Untersuchungsdaten über Frauen gibt. Die „Benachteiligung“ der Frau in dieser „Herzensangelegenheit“ entsprang in den USA nicht nur männlicher Egozentrik - alle großen klinischen Studien sind überwiegend „männlich“ orientiert, sondern auch einer ethischen Begründung. 1977 erließ die dortige Arzneimittelbehörde (FDA) eine Richtlinie, wonach Frauen im gebärfähigen Alter aus Arzneimittelstudien ausgeklammert bleiben sollten, wohl aus Vorsorge gegenüber eventuell eintretende Schwangerschaften. Damit wurden - so die darauffolgende Praxis - auch ältere Frauen ausgeschlossen. Die Vorteile lagen auf der Hand: Männer ließen sich für Sudien leichter gewinnen, und vor allem das männliche Hormonsystem blieb konstant. Dagegen konnte das monatliche Auf und Ab der Hormone bei der Frau das schönste Studiendesign durcheinander bringen.

Und so wurde die Frau bei den Studien über den Herzinfarkt lange Zeit schlichtweg übersehen.

Erst in 80ziger Jahren fiel den Experten in Hamburg auf, dass nur etwa 17 Prozent der Frauen, die einen Infarkt überlebt hatten, eine Anschlussheilbehandlung verschrieben wurde, Männer nahmen dagegen zu mehr als 80 Prozent an Kuren teil. Und noch 1993 wurde in Deutschland berichtet, dass Frauen doppelt so häufig wie Männer nach einem Infarkt im Krankenhaus sterben. Aber erst in den letzten Jahren ging man diesen Phänomenen nach und suchte nach Erklärungen.

 

Frauenherzen in Gefahr

Man(n) stellte in verschiedenen wissenschaftlichen Studien weltweit fest:

1. Nach der Menopause steigt das Herzinfarktrisiko bei Frauen sprungartig an: 95 % aller Herzinfarkt-Patientinnen sind älter als 60 Jahre. Den Grund sieht man darin, dass die weiblichen Geschlechtshormone (Östrogene) einen günstigen Einfluss auf den Cholesterinspiegel haben. Sie erhöhen den Anteil des gefäßschützenden HDL-Cholesterins im Blut. Dieser Schutz geht mit der nachlassenden Hormonproduktion in den Wechseljahren verloren. Cholesterinspiegel und Herzinfarktrisiko steigen dann an.

Diese Frauen sind 10 bis 15 Jahre älter als männliche Infarktpatienten und ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist entsprechend schlechter, was heißt: sie leiden häufiger zusätzlich unter hohem Blutdruck und Diabetes sowie an Fettsucht.

2. Bei Frauen, die nach den Wechseljahren keine Hormonbehandlung mit Östrogenen und/oder Gestagenen erhalten, ist das Herzinfarktrisiko 2,2fach erhöht.

3. Das immer mehr Frauen einen Herzinfarkt bekommen, liegt auch daran, dass die Lebenserwartung angestiegen ist. Das Mittel liegt heute für die Frau bei etwa 80 Jahren.  Daher erreichen viele Frauen das Alter mit der höheren Infarkthäufigkeit. Mit dem 60. Lebensjahr ist sie so hoch wie bei den Männern im typischen Infarktalter von 50 Jahren.

Allerdings sind auch Frauen, die bereits mit Ende 30 einen Herzinfarkt bekommen, keine Ausnahmen mehr. Hier sind die Hauptgründe starkes Rauchen und ein zu hoher Cholesterinspiegel.

Bei Frauen, die die „Pille“ nehmen, erhöht sich das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Krankheit zu sterben, um das Fünffache. Besonders gefährlich wird es für die Frau über 35, wenn sie außerdem noch raucht, übergewichtig ist und erhöhten Blutdruck hat. Vor allem das Rauchen steigert dann die Gefahr für einen Herzinfarkt drastisch. Frauen die zwischen 35 und 44 Jahren einen Herzinfarkt erleiden, haben fast immer die Pille genommen und geraucht. Bei ihnen sind dann nicht unbedingt arteriosklerotische Ablagerungen in den Herzarterien die Ursache. Der Infarkt kann auch aufgrund von Spasmen in den Herzkranzgefäßen oder aufgrund von Blutgerinnseln eintreten. Zweidrittel dieser Frauen, die einen Herzinfarkt bekamen, haben keine erkennbaren Engpässe in den Herzarterien.

Und man fand Unterschiede beim weiblichen und männlichen Herzinfarkt:

Bei älteren Frauen werden oft Aortenstenosen, Hypertonus oder Schlaganfälle diagnostiziert.

Männer dagegen leiden häufiger an Herzinsuffizienz oder pheripherer arterieller Verschlußkrankheit.

Von den valvulären Herzerkrankungen wird die Aortenstenose gerade bei Frauen relativ spät symptomatisch, aber der Aortenklappenersatz ist dann ebenso erfolgreich wie bei Männern.

Hypertonus und Diabetes mellitus sind bei Frauen ein heraus ragender Risikoindikator für späteren Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Eine Herzinsuffizienz führt bei Frauen schneller zum Tod als bei Männern.

Frauen haben oft längere Zeit Angina pectoris, bevor sie einen Infarkt erleiden. Männer dagegen bekommen schneller einen Infarkt ohne solche Symptome.

In den ersten Wochen nach dem Infarkt sterben doppelt so viele Frauen wie Männer. Bei Frauen stellen sich häufiger Komplikationen ein, und es kommt bei ihnen häufiger zu akutem und chronischem Herzversagen.
40 % der Frauen sterben innerhalb des ersten Jahres nach dem Infarkt. Bei den Männern beträgt die Quote 31 Prozent.
In den ersten vier Jahren nach dem Infarkt erleiden 20 % der Frauen einen zweiten Infarkt, bei den Männern sind es nur 15 %.
95 % der Frauen aber nur 5 % der Männer erleiden nach dem Herzinfarkt einen Schock.
22 % der Frauen und nur 14 % der Männer entwickeln nach dem Infarkt eine kongestive Herzinsuffizienz.
Schwere Blutungen treten bei Frauen in 15 % auf aber nur bei 7,5 % der Männer.
5 % der Frauen und 3,6 % der Männer erleiden einen Reinfarkt.
Fast doppelt so viele Frauen (2,1 %) wie Männer (1,2 %) haben zusätzlich zum Herzinfarkt auch noch einen Schlaganfall.
Die Infarktletalität (=-sterblichkeit) ist beim weiblichen Geschlecht mit 11,3 % doppelt so hoch wie bei Männern (5,5 %).
Und: Bei Frauen wird der Infarkt häufiger mittels Angioplastie und seltener durch Bypass-Operation behandelt. Nach einer Bypass-Operation sterben Frauen häufiger als Männer. Die Bypässe bleiben bei Frauen nicht so lange offen wie bei Männern.

 

Gefährliche Morgenstunden

Die Tatsache, dass am Montag morgen ein erhöhtes Infarktrisiko insbesondere bei Berufstätigen - und hier tendenziell bei Frauen - besteht, lässt sich am ehesten als Folge eines besonderen Aktivitätswechsels vom Wochenende zum Wochenbeginn erklären. Annährend 20 % aller Herzinfarkte treten an diesem Tag auf. Außerdem gibt es unterschiedlich gefährliche Zeiten im Tagesverlauf. Etwa ein Drittel der Infarkte ereignen sich zwischen 6 Uhr in der Frühe und 12 Uhr mittags. In dieser Zeit liegt das Herzinfarkt-Risiko um 40 % höher als zu anderen Zeiten. Dieses Ergebnis erbrachte die Analyse von 48 Studien, in der die Daten von über 73.000 ehemaligen Herzinfarkt-Patienten ausgewertet wurden. Die Ursachen hierfür liegen uns quasi im Blut: es ist morgens zähflüssiger als nachmittags, der Bludruck höher und der Puls geht schneller.

 

Vorboten und Anzeichen für einen Herzinfarkt

Ein Herzinfarkt kommt nie aus heiterem Himmel. Fast immer gibt es Warnsignale, die das Herz aussendet:

- dumpfe, beklemmende Schmerzen in der Brust und den angrenzenden Bereichen wie Arme, Schulter, Oberbauch oder Hals und Unterkiefer

- ein starkes Engegefühl oder ein heftiger Druck im Brustkorb

- Atemnot, häufig auch begleitet von Übelkeit und Brechreiz.

Aber auch Schwäche bis zur Bewußtlosigkeit, eine fahle Gesichtsfarbe und Schweißausbrüche, können Anzeichen für einen Infarkt oder eine fortgeschrittene Durchblutungsstörung des Herzens sein. Gehen Sie bei solchen Beschwerden sofort zum Arzt, im Zweifel lieber einmal zu oft als für immer zu spät. Denn ein frühzeitiges Erkennen heißt beim Infarkt Überleben.

Gerade Frauen lassen bei diesen Anzeichen eines Infarktes oft wertvolle Zeit verstreichen. Bei Frauen ist die häufigste Begleitsysmptomatik Übelkeit, verbunden mit Erbrechen und dem Ausstrahlen der Schmerzen in das linke Schulterblatt. Diese Anzeichen aber verleiten die Frauen häufiger als die Männer dazu, an eine Magen-Darm-Erkrankung oder an eine für den Altersbereich typische Erkrankung der Wirbelsäule oder an Rheuma zu denken. Deshalb verharmlosen viele Frauen den Schmerz, und Unkenntnis über die Symptome führen dazu, das der Infarkt häufig gar nicht erkannt wird.

Der häufigste Vorbote, eines Herzinfarktes bei Frauen (im Gegensatz zu Männern,) ist ein Angina pectoris Anfall, der aber viel zu oft ignoriert oder fehlgedeutet wird. Zu diesem Anfall, der durch eine Durchblutungsstörung des Herzens ausgelöst wird, kommt es häufig durch körperlicher Anstrengung, wenn das Herz also mehr arbeiten muss.

Da es aber auch Fälle gibt, wo ein Infarkt ohne Vorwarnung auftritt, sollte sich jeder einmal im Jahr gründlich vom Arzt untersuchen lassen.

 

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Wichtig für das Überleben des Betroffenen ist die Anwesenheit von Menschen. Und hier sind die Frauen aufgrund ihrer sozialen Situation stärker gefährdet als Männer, da 45 % der Frauen, aber nur 15 % der Männer, zum Zeitpunkt des Infarktes verwitwet oder allein lebend waren. Das heißt: der Herzinfarkt tritt bei 90 % der Frauen zu Hause auf. Bei Frauen ist seltener als bei Männern jemand anwesend, um rechtzeitig ärztliche Hilfe zu rufen, wenn die Betroffene dazu nicht mehr in der Lage ist. Das ist wohl der Hauptgrund, wodurch sich die höhere Sterblichkeit von Frauen vor Erreichen des Krankenhauses erklärt. Möglichkeiten dem vorzubeugen, bieten die „Notfallfinger“ und andere Notrufsysteme, die mit den Notrufzentralen der Hilfsorganisationen verbunden sind.

Ein weiterer Grund für das Zuspät-kommen ins Krankenhaus oder zum Arzt, ist eine psychologische Barriere. Denn, das auch eine Frau einen Herzinfarkt bekommen kann, wollen viele gar nicht wahrhaben. Studien belegen, dass Freunde, Verwandte und die Familie an solchem Geschehen oft sehr viel weniger Anteil nehmen, als bei Männern. Denn bei Männern ist der Herzinfarkt Zeichen hohen Arbeitseinsatzes und eines besonderen Engagements im Beruf.

Aber nicht nur die eigene Familie nimmt den Herzinfarkt der Frau auf die leichte Schulter, auch manche Ärzte und Betroffene selbst unterschätzen die Gefahr von Herzerkrankungen bei Frauen, deren Überlebenschancen ja sowie so schon durch das höhere Lebensalter und die Häufung von Risikofaktoren im Vergleich zu männlichen Patienten wesentlich geringer ist.

Und gerade Infarktpatienten brauchen, Kardiologen zufolge, viel menschliche Zuwendung. Das zeigt eine neue amerikanische Studie mit älteren Männern und Frauen. Von den Patienten, die nach dem Infarkt allein und einsam waren, war die Sterblichkeitsrate dreimal so hoch, im Gegensatz zu den Patienten, die Zuwendung von Familie und Freunden bekamen. Und wenn Menschen nicht da sind, dann können auch Tiere helfen. So wurde in einer amerikanischen Studie nachgewiesen, dass 94 % der Patienten, die einen Hund hatten, nach einem Herzinfarkt länger leben als hundelose Leidensgenossen von denen 69 % bereits im ersten Jahr nach dem Infarkt verstarben. Und es war hier nicht nur alleine das tägliche Gassigehen mit dem Vierbeiner, das das Herz-Kreislauf-System in Schwung hielt, sondern wohl auch der persönliche Kontakt zum Tier. So wirkt das Streicheln des Fells beruhigend und senkt den Blutdruck.

 

Ernährung - eine Herzenssache

Wer einen Infarkt erlitten hat, muss seine Lebensweise umstellen. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Ernährung. Es gibt viele Lebensmittel denen - gerade nach einem Infarkt - therapeutische Wirkung nachgesagt werden. Dazu gehören:

Knoblauch, der neben seiner entzündungshemmenden Wirkung auch die Fähigkeit hat, den Gesamtcholesterinwert zu senken,

Artischoken, die das Blutcholesterin positiv beeinflussen und

Grüner Tee, der bei regelmäßigem Genuß das HDL-Colesterin erhöht.

Aber auch Soja und Tofu, Sellerie, alle Kohlpflanzen, Rettich und Radieschen und vor allem Äpfel und Zwiebeln werden ebenfalls in der Literatur als präventive Lebensmittel gegen den Herzinfarkt ausgelobt.

Beim täglichen Speiseplan aber gilt nach wie vor das Hauptaugenmerk dem Fettverzehr, der äußerst gering sein sollte. Wenn tierische Lebensmittel verzehrt werden, dann sollten sie äußerst mager sein und fette Fleisch- und Wurstwaren, Butter, fetten Käse, Eier oder Snacks sollten der Vergangenheit angehören, denn sie enthalten viel Cholesterin und gesättigte Fettsäuren und können dadurch den Cholsterinspiegel erhöhen. Besser ist magerer Fisch, wie Kabeljau oder Forelle. Empfehlenswerte Koch- und Streichfette sind Pflanzenfette und -öle, mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Und vor allem gehören auf den täglichen Speiseplan, Obst und Gemüse, von dem nachgewiesen wurde, dass bei regelmäßigem Verzehr die Herzinfarktrate um 24 % gesenkt werden konnte - sowie Vollkornprodukte, und das alles über den Tag verteilt in fünf kleinen Mahlzeiten.

Und Vorsicht ist auch beim Zucker geboten, denn der ist nicht nur für Karies verantwortlich, sondern er sorgt auch für Übergewicht.

 

Ein Herz für Sport

Studien zeigen, dass bei Frauen, die sich regelmäßig sportlich betätigen, das Herzinfarktrisiko um 60 bis 75 % abnimmt.

Für jeden Herzpatienten muss aber das Training individuell dosiert werden. Mit Hilfe eines Belastungstests lassen sich die persönlichen Grenzwerte ermitteln und der Maximal Puls finden. Als allgemeine Richtlinie gilt: Der Betroffene muss diese Pulsfrequenz erreichen können, ohne das er in Luftnot gerät.

Frauen, die mindestens drei Stunden pro Woche zügig spazieren gehen oder walken, senken ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall um 40 Prozent. Das stellten Wissenschaftler fest, nachdem sie die Daten von rund 84.000 Teilnehmerinnen der Nurses’ Health Studie im Alter von 40 bis 65 Jahren neu ausgewertet hatten. Je schneller die Studienteilnehmerinnen gingen, umso besser für Herz und Kreislauf. Denn Frauen, die ein Tempo von fünf bis sechs Kilometer pro Stunde erreichten, waren sogar um 50 Prozent weniger gefährdet als Stubenhockerinnen. Die Gründe für diesen Effekt: Regelmäßige Spaziergänge haben einen günstigen Einfluss auf den Cholesterinspiegel, senken den Blutdruck und helfen bei Gewichtsproblemen.

Weitere Sportarten, die sich besonders gut für Herzinfarktpatienten eignen, sind laufen, wandern, radeln und schwimmen. Experten empfehlen zwei bis drei mal wöchentlich je 30 Minuten davon.

 

Chancen trotz Herzinfarkt?

1960 gab es noch keine Möglichkeiten, Arterienverschlüsse, die zu einem Herzinfarkt führten, direkt wieder aufzulösen. Heute sieht das völlig anders aus. Durch spezifische Arzneimittel können Arterienverschlüsse schnell rückgängig gemacht werden, was die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt um bis zu 50 Prozent verringerte.

Dauerte ein Krankenhausaufenthalt nach einem Herzinfarkt im Jahr 1960 noch drei bis sechs Monate und die Arbeitsunfähigkeit ca. 1 Jahr, so sind es heute im Durchschnitt ca. 14 Tage und die Arbeitsunfähigkeit beträgt ca. 50 Tage.

1960 konnte ein akuter Herzinfarkt nicht medikamentös behandelt werden, ebensowenig konnte man etwas für eine Infarktvorbeugung tun, noch medikamentös nachbehandlen. Zur Ruhigstellung und zur Herzentlastung setzte man damals Wirkstoffe mit starkem Suchtpotential ein.

Heute kann man bereits dem Herzinfarkt vorbeugen, zum Beispiel mit Medikamenten, die einen zu hohen Cholesterinspiegel senken, für die bessere Durchblutung steht ASS zur Verfügung und zur Blutdrucksenkung gibt es ACE-Hemmer. Bei einem akuten Infarkt wird Fibrinoltika gegeben. Die Nachbehandlung geschieht mit Betablockern und Nitropräparaten. Für die Ruhigstellung zur Herzentlastung werden heute Wirkstoffe mit deutlich verringertem Gewöhnungspotential eingesetzt.

Die Chancen einen Herzinfarkt zu überleben sind gut, aber besser ist es durch Vorbeugung den Infarkt zu vermeiden.