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Rapsöl senkt Cholesterin besser als Olivenöl

Rapsöl senkt Cholesterin besser als Olivenöl

Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie e.V.

Michael Kruse und Mitarbeiter um Andreas F. H. Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke verabfolgten 18 übergewichtigen Männern zwischen 39 und 63 Jahren während 4 Wochen randomisiert entweder 50 g raffiniertes Rapsöl oder 50 g kaltgepresstes Olivenöl bei ausgewogener Kost. Nach den 4 Wochen war das Gewicht, wie beabsichtigt, in beiden Gruppen gleichgeblieben. Im Vergleich zu Olivenöl fiel unter Rapsöl der LDL-Blutspiegel um 0.45 mmol/l (= 17.4 mg/dl), der Leberwert AST (Aspartat Aminotransferase, = Glutamat-Oxalazetat-Transferase GOT) um 18%. Interessant war das Verhalten des entzündungsfördernden Interleukin-6 im Unterhautfettgewebe: Rapsöl hemmte dessen Produktion im Nüchternzustand, während eine Testmahlzeit diesem Öl, Weißbrot und 400 ml eines Diätgetränks, insgesamt 835 kcal die Synthese kurzfristig stimulierte. Diesen Befund deutete Andreas F.H.Pfeiffer als eine hormetische Wirkung im Sinne einer „U- oder J-Kurve“. Langfristig würden die Körperzellen dadurch insulinempfindlicher.

Rapsöl rangiert im Ansehen bei den Deutschen auf der untersten Stufe. Man kann es sogar zum Betrieb von Dieselfahrzeugen einsetzen. Wenn unversteuert im Supermarkt gekauft, ist es zumeist billiger als Dieselkraftstoff. Dort kann man einen Liter manchmal noch unter 1 Euro kaufen. Gutes Olivenöl ist hingegen um ein Vielfaches teurer, ist aber dennoch bei den meisten Hausfrauen sehr beliebt. Vielleicht auch, weil es bei uns keine Olivenhaine gibt und diese Bäume – oder auch ein griechischer Salat mit Oliven – schöne Erinnerungen an Urlaube in Mittelmeerländern wecken. Auch das Marketing trägt das seine dazu bei. In Deutschland bedecken gelbe Rapsfelder weite Landstriche. Ihr Anblick wirkt zwar beruhigend und Feng Shui-harmonisierend, hat aber kein mediterranes Flair. Ob die Befunde der Pilotstudie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke zu einem Sinneswandel und einer Änderung des Konsumverhaltens beitragen werden? Zunächst wohl kaum. Dafür müssten die Resultate erst in Studien an viel größeren Zahlen von Probanden, übergewichtigen Menschen oder auch Patienten mit Typ-2-Diabetes bestätigt werden.

Der Kommentator bevorzugte immer schon das neutraler schmeckende Rapsöl gegenüber dem Olivenöl. Jetzt kann er auch seine Vorliebe auf ein Stoffwechselargument stützen. Wenn schon geschmacklich ausdrucksstarkes Öl, dann ein paar Tropfen steirisches Kürbiskernöl auf den Salat! Einige Leser ahnen es schon, andere werden es vielleicht wissen: Der Kommentator stammt aus dem Herkunftsland dieses Öls.

Helmut Schatz